Die Kanaren, gelegen vor der westafrikanischen Küste, versprechen das ganze Jahr über Frühling. Selten fällt im Winter die Temperatur unter 15 Grad und auch im Hochsommer bleibt es mit bis maximal 30 Grad immer angenehm bis erträglich. Lanzarote, die nordöstlichste der Kanareninseln, beeindruckt dabei vor allem durch ihre Kontraste: Die Landschaft der kleinen Insel wird von dunklen Lavaströmen und rötlich schimmernden Vulkanen sowie grünen Palmenoasen und schneeweiß gekalkten Häuschen geprägt.

Vorweg: Die Nachbarinsel von Fuerteventura ist es wert, eine ganze Woche oder länger besucht zu werden. Dennoch ist es möglich, Lanzarote innerhalb weniger Tage im Großen und Ganzen zu erkunden. Ihr habt drei Tage zur Verfügung und einen Mietwagen an der Hand? Perfekt! Hier kommt euer perfekter Reiseplan für eine dreitägige Inseltour durch Lanzarote.

Tag 1: der Osten

1. Den Jardín de Cáctus erkunden

Am ersten Tag geht es in den Osten der Insel und dort zuerst in den Jardín de Cáctus. Wie jede andere Sehenswürdigkeit von Lanzarote stammen auch die Pläne für den Kakteengarten vom vielseitigen Inselkünstler César Manrique. Bereits 1970 erstellte er erste Entwürfe, doch erst 19 Jahre später konnte er den botanischen Garten im Auftrag der Inselregierung Wirklichkeit werden lassen. Zwei Jahre vor seinem Tod öffneten sich dann erstmals die Pforten. Der Kakteengarten war Manriques letztes großes Projekt.

Das übergeordnete Motto von Manriques Werken ist der Wunsch, Kunst und Kultur mit der Natur in Einklang zu bringen. So auch im Jardín de Cactus. Sein Werk legte der Künstler in einem alten, offen gelassenen Steinbruch am nördlichen Ortsrand von Guatiza in Richtung Mala. Er liegt unterhalb einer restaurierten Gofio-Mühle.

Wer sich dem Steinbruch nähert, ahnt noch nicht, was sich hinter den Eingangstoren verbirgt. Das Wunder offenbart sich erst, wenn das Eintrittsgeld bereits bezahlt ist, so gut schützen die alten Natursteinmauern von außen die Sicht. Dann aber kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. In einer Anlage, die wie ein Amphitheater anmutet, ist jede Kakteenart zu finden, die im Klima Lanzarotes gedeiht. Das sind rund 1150 Stück. Insgesamt sind mehr als 10 000 Exemplare auf 5000 Quadratmetern gepflanzt. Der terrassenförmig angelegte Garten kann über Stufen und Steinwege begangen, erklommen und erkundet werden. Den Nährboden für die Kakteen bildet Vulkangranulat.

Die Mühle, die über all dem thront, wurde 1973 restauriert. Sie ist bis heute in Betrieb, um das begehrte Maismehl, auch Gofio, zu mahlen. Wer Restaurant und Souvenirladen hinter sich lässt und auch die letzten Treppenstufen bis zur Mühle erklimmt, wird mit einem fantastischen Ausblick über die beeindruckende Anlage belohnt.

2. Tapas in Lanzarotes Hauptstadt Arrecife essen

Am ersten Tag geht es für ein Mittagessen in Lanzarotes Hauptstadt Arrecife („Felsriff“). Wenn man aus dem Mietwagen steigt, findet man kein architektonisches Schmuckkästchen und auch keine Metropole vor. Wer in einem der Touristenzentren der Insel residiert, zum Beispiel in Puerto del Carmen, Playa Blanca oder Costa Teguise, wird sich vielmehr an der Ruhe in Arrecife erfreuen. Da knapp 40 Prozent der Inselbevölkerung hier leben und Touristen fast nur als Tagesausflügler herkommen, ist Arrecife einer der besten Orte, um das authentische Leben der Inselbewohner kennenzulernen.

Die Stadt lässt sich innerhalb weniger Stunden entspannt zu Fuß erkunden. Als Ausgangspunkt eignet sich die Küste. Zum Meeresufer gelangt man ganz einfach, indem man auf das Gran Hotel zufährt, welches schon von Weitem zu sehen ist. Es ist das einzige Hochhaus der Insel und entstand in den 1960er-Jahren, genau in den wenigen Jahren, die César Manrique nicht auf Lanzarote, sondern in New York verbrachte.

Von der Promenade geht es an der Promenade entlang in Richtung der Kugelbrücke Puenta de las Bolas. Sie führt zum Castillo de San Gabriel, welches heute das Museo de la Historia de Arrecife beherbergt, in dem eine Ausstellung zur Stadtgeschichte gezeigt wird. Weiter geht’s Richtung Casa de los Arroyo, einem der letzten alten Herrenhäuser, und wieder weiter in die kleine Altstadt. Am Plaza de las Palmas steht die Iglesia de San Ginés, eine sehenswerte Kirche aus dem Jahre 1574, die mit ihrem dunklen Vulkangestein und der weißen Kalkfarbe das Bild von Arrecifes Altstadt prägt.

Nicht unweit findet sich der Stadtteil Charco de San Ginés. Er legt sich rund um eine Lagune, die in das bebaute Stadtgebiet hineinragt. Entlang der Laguna schlängelt sich eine Fußgängerpromenade mit Cafés und Restaurants, der perfekte Ort für authentische Tapas zu guten Preisen. Wenn hausgemachte gemischte Kroketten auf der Speisekarte stehen: auf jeden Fall zuschlagen. Sonst nach dem fangfrischen Fisch des Tages fragen.

3. Mit dem Mietwagen durch das Weingebiet La Geria

Das berühmte Weinbautal La Geria liegt zwischen Uga und Mozaga. Es befindet sich am Südostrand der Region, die im 18. Jahrhundert durch die Ausbrüche des Timanfaya vollständig verändert worden ist. Zehntausende Trichter, die Gerias, sind in geometrischen Mustern in die Vulkanasche gegraben und prägen das Landschaftsbild auf einzigartige Weise. In den Trichtern sind Weinstöcke in den Boden gesetzt. Niedrige, halbmondförmige Mauern schützen sie zusätzlich vor den fast immer wehenden Nordwinden.

Trichter sowie Mauern sind durchweg schwarz, im Hintergrund erheben sich imposante Hügel: Das gesamte Anbaugebiet mutet regelrecht surreal an. Nur wenige weiße Häuser oder Weingüter unterbrechen die Ästhetik der Region, vereinzelte Palmen setzen hier und da grüne Akzente. Wer auf seiner Reise nach Lanzarote die Trichterlandschaft nicht besucht, verpasst etwas Einzigartiges. Kein Wunder, dass die Region zum Weltkulturerbe zählt.

Lange Zeit ging es mit dem Weinbau auf Lanzarote bergab, doch dank des Tourismus sowie neuer beziehungsweise verändert angebauter Rebsorten florieren viele Weingüter heute wieder. Leichte und trockene Weinsorten verdrängen die schweren Weine, für die Lanzarote lange bekannt war. Wer Zeit hat, kann an einem der Weingüter anhalten und rasten. Ein Teil der Produktion wird direkt in den Probierstuben verkauft.

Tag 2: der Süden

1. Den Parque Nacional de Timanfaya besuchen

Der zweite Tag führt in den Süden der Insel Lanzarote. Verheerende Vulkanausbrüche schufen von 1730 bis 1736 in weiten Teilen der Insel eine unfruchtbare Landschaft, die mondgleiche Züge trägt. Rund ein Viertel der Insel wurde dabei unter Lavaströmen und Ascheregen begraben, elf Dörfer mussten in diesen Jahren aufgegeben werden. Heute ist diese Region ein Nationalpark, der Parque Nacional de Timanfaya. In seinem Zentrum erheben sich die Montañas del Fuego, die Feuerberge, heute einer der Hauptattraktionen der kanarischen Insel. Am Morgen hüllen sie sich in einen rötlichen Schimmer, der an die Glut eines Feuers erinnert.

Wer die Feuerberge besichtigen möchte, nimmt eine Stichstraße bis zum Islote de Hilario. Dort muss das Auto abgestellt werden, denn der zentrale Teil der Feuerberge darf von Privatpersonen weder betreten noch befahren werden. Dies dient dem Schutz der empfindlichen Natur. Eine Busrundfahrt über die Ruta de los Volcanos ermöglicht Touristen dennoch einen Blick in die spektakuläre Vulkanlandschaft. Zu sehen sind zum Beispiel der Miniaturvulkan Manto de la Virgen, der eingestürzte Vulkantunnel Barranco de Fuego, der Krater Caldera Quemada sowie das leblose Valle de La Tranquilidad. Vor oder nach der Fahrt entdecken Besucher bei Demonstrationen des Tourismusverbandes eindrucksvoll die Erdwärme, die in den Feuerbergen direkt unter der Oberfläche lauert.

Andere Teile des vulkanischen Teils der Insel dürfen hingegen sogar bei einer Wanderung erforscht werden, zum Beispiel der Parque Nacional de los Volcanos, der sich wie ein Gürtel um den Nationalpark legt, oder die Ruta del Litoral.

2. Durch Puerto Calero flanieren

Ein kurzer Abstecher nach Puerto Calero mit einer der schönsten Marinas der Kanarischen Inseln lohnt sich auf jeden Fall. Der Ferienort soll Reisende mit gehobenen Ansprüchen anlocken, denn die Regierung von Lanzarote setzt verstärkt auf Qualitätstourismus. Parallel zur Flanierzeile am Hafen verläuft eine elegante Ladenzeile, die der Architekt Luis Ibáñez Margalef, ein langjähriger Freund César Manriques, entworfen hat. An der Promenade finden sich neben Geschäfte für Bootsbedarf auch einige nette kleine Cafés und Restaurants. Die Preise sind dem Standort entsprechend selbstverständlich gehoben.

Auch wer die Papageienstrände luxuriös mit dem Schiff ansteuern möchte, ist in Puerto Calero richtig. Dort startet der Catamaran Catlanza und fährt regelmäßig zu den fährt regelmäßig zu den Playas de Papagayo an der Südküste Lanzarotes.

3. An den Papageienstränden in den Atlantischen Ozean

Hellsandige Strände und kristallklares Wasser: Die Playas de Papagayo gelten als die schönsten Strände von Lanzarote. Auch wer das Meer vor seiner Hoteltür hat, sollte sich ins Auto setzen und hierherfahren. Denn die vollkommen naturbelassenen Strände versprechen den Inbegriff von Strandurlaub. Und bitte nicht von der absurden Buckelpiste abschrecken lassen, über die man den Mietwagen jagen muss, wenn man der offiziellen Beschilderung folgt. Das Abenteuer ist es wert, wenn man sich kurz darauf in den Atlantik stürzen kann.

Die Papageienstrände bestehen aus mehreren kleinen und größeren Buchten und liegen im Naturschutzgebiet Monumento Natural de Los Ajaches, etwa sieben Kilometer östlich von Playa Blanca. Der Playa de las Mujeres ist mit einer Länge von 500 Metern der größte und am besten besuchte Strand. Daneben folgen mehrere kleine Strandbuchten, unter anderem der Playa Caletón San Marcial und der Playa Del Pozo. Der letzte Strand vor dem Punta del Papagayo, der Südspitze der Insel, ist der Playa del Papagayo. Hinter der Südspitze liegen die gern von FKK-Fans aufgesuchten Playa Caleta del Congrio und Playa de Puerto. Dort gibt es auch einen Campingplatz.

Tag 3: der Norden

1. Die Jameos del Agua

Der Besuch des grünen Nordens beginnt mit der Erkundung der meistbesuchten Sehenswürdigkeit Lanzarotes: der Vulkanhöhle Jameos del Agua. Sie gehört zu einem sieben Kilometer langen Tunnelsystem, welches vom erloschenen Vulkan Monte Corona ausgeht. Gut 200 Meter ist die Grotte lang. Sie entstand in Küstennähe, als heiße Lava mit kaltem Meerwasser in Kontakt kam und dieses explodierte. Erst in den 1960er-Jahren entdeckte der Inselkünstler César Manrique die Kette aus Vulkanblasen und nahm die Aufgabe in die Hand, sie architektonisch zu gestalten. Die Jameos del Agua gelten als sein Hauptwerk.

Die beeindruckende und wunderschöne Anlage besteht aus vier nennenswerten Elementen. Eine steile Treppe führt durch einen natürlich entstandenen Kamin in die Grotte hinab, in der ein natürlicher See schwach im letzten Licht funkelt. Im zweiten Kamin geht es über lange Treppen wieder hoch zu einer künstlichen Lagune, die inmitten einer imposanten Gartenanlage mit Poolbar angelegt ist.

In einer weiteren Lavahöhle ist ein Auditorium entstanden, welches sich durch seine natürliche Akustik auszeichnet. Im ebenerdigen Casa de los Volcanes kann man sich außerdem über den Vulkanismus der Insel informieren.

2. Die Palmenstadt Haría besuchen

Das Bergdorf Haría ist das Zentrum des Inselnordens und gleichzeitig eines der schönsten Dörfer der Insel. Dank seiner Lage in einem fruchtbaren, wasserreichen Palmental, von Bergzügen eingeschlossen, ist es im Winter üppig bewachsen und unterscheidet sich deshalb grundlegend von allen anderen Dörfern und Städten. Die Umgebung der Stadt wird auch Tal der 1000 Palmen bezeichnet. Wer einmal dort war, weiß, woher der Name stammt. Die mehreren Tausend Palmen lassen Haría in der ansonsten so kargen Landschaft der Vulkaninsel wie eine nordafrikanische Oase erscheinen – und verleihen ihr einen besonderen Charme.

Wer sich auf die Spuren des Inselkünstler César Manrique begibt, kommt an Haría nicht vorbei. Dort befindet sich zum einen das letzte Wohnhaus des Künstlers, in das er zog, als ihm der Trubel um sein ungewöhnliches Haus in Tachihe zu viel wurde. Es ist stilvoll, aber unauffällig eingerichtet und dient heute als Museum. Außerdem findet sich sein Grab auf dem kleinen Friedhof.

3. Mirador del Río

Den Abschluss des dritten Tages auf Lanzarote bildet ein Blick über den Inselrand. Es geht hoch auf die Aussichtsplattform Mirador del Río, die rund 450 Meter über den fast senkrecht zur Meerenge El Río abfallenden Steilklippen von La Batería liegt. 1898 als Geschützposten erbaut, diente der Aussichtspunkt bis zum Zweiten Weltkrieg immer wieder militärischen Diensten. 1973 verwandelte César Manrique die Plattform Mirador del Río dann in die beliebte Touristenattraktion, die sie heute ist. Die Anlage gilt als gelungenste Arbeit des beeindruckenden Künstlers.

Vom Parkplatz kommend, sieht man nur eine halbrunde, aus Lavabrocken aufgeschüttete Mauer und eine recht unscheinbare Tür. Das Gebäude ist so geschickt in den Felsen integriert, dass es vom Gestein kaum zu unterscheiden ist. Ein langer, schmaler Gang führt dann in die hübsche Restauration mit ihren großen, halbrunden Panoramafenstern. Der spektakuläre Blick auf die kleine Nachbarinsel La Graciosa ist hier zum ersten Mal möglich – sofern das Wetter es zulässt.

Die Aussichtsplattform selbst ist noch spektakulärer. Bei nicht eingeschränkter Sicht reicht der Blick über die Meerenge bis zur Nachbarinsel La Graciosa und noch weiter in die Ferne bis zur kleinen unbewohnten Felseninsel Montaña Clara und Alegranza. Und wer jetzt noch mehr von La Graciosa sehen will: zurück nach Órzola. Dort startet die Fähre, die zur kleinen Nachbarinsel Lanzarotes übersetzt.