Ich liebe Überraschungen. Gar nicht gut bin ich aber darin, geduldig auf sie zu warten. Als vor knapp einer Woche zwei Tage lang ein Paket bei meiner Nachbarin lag, obwohl ich doch überhaupt nichts bestellt hatte, lagen meine Nerven dementsprechend blanker als blank. Morgens war sie unterwegs, abends war sie unterwegs, am nächsten Morgen wieder. Erst am zweiten Abend hielt ich mein Überraschungspaket dann endlich in den Händen. Empfänger: Huckleberry Fling, Redaktionsbüro. Da lachte das Herz der Blog-Chefredakteurin. Also ab ins Redaktionsbüro und das Überraschungspaket ausgepackt. Darin befand sich eine druckfrische Ausgabe des Kochbuches „Reisehunger: Die besten Rezepte zwischen USA und Singapur“ von Nicole Stich.

Der erste Eindruck: Schick, richtig schick sieht es aus. Hochwertig gebunden, ansprechendes Cover, angenehme Haptik. Sprich: Schönes Buchformat und leicht raue, matte Seiten, die sich angenehm anfassen. Auch beim ersten Durchblättern war ich ganz begeistert: Rezepte aus acht verschiedenen Ländern sollen die Lust auf exotische Küchen wecken. Und das machen Gerichte wie die Fisch-Reis-Zitronen-Suppe aus Griechenland oder der Flammkuchen mit Ziegenkäse und Birne aus Frankreich auch ziemlich gut.

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Das Konzept: Die USA, Portugal, Frankreich, Italien, Griechenland, Türkei, Dubai und Singapur: Acht Länder gibt es in „Reisehunger“ zu entdecken. Innerhalb dieser Kapitel finde ich neben landestypischen Speisen auch Anekdoten von den kulinarischen Reisen der Autorin. So erfährt der Leser bei vielen Gerichten, in welcher Stadt oder von welcher Person Nicole Stich ein Gericht entdeckt hat. Denn, wie sie in ihrem Vorwort schreibt, holte sie sich die Anregungen für „Reisehunger“ tatsächlich vor Ort, auf unterschiedlichen Reisen in die jeweiligen Länder. Zurück in der Heimat kochte sie die Rezepte so häufig nach und wandelte sie ab, bis das Ergebnis sie zufriedenstellte.

Neben den Rezepten ist „Reisehunger“ angereichert mit allerlei Informationen rund um die zu entdeckenden Länder und das Reisen als solches. Viele Tipps à la „Wer sich treiben lässt, entdeckt ganz neue Ecken“ und „Iss im Urlaub doch mal ein regionales Gericht und bestell kein Schnitzel“ sind nun wirklich kein Geheimnis, hätten meiner Meinung nach nicht sein müssen, passen aber durchaus ins Konzept des Buches.

Als eine inhaltliche Bereicherung empfinde ich allerdings die Fotos des Kochbuches. Wer wie ich einen Hang zur (Reise)-Fotografie hat, der wird es lieben, „Reisehunger“ durchzublättern. Nicht nur, dass das sich zu jedem Rezept ein schönes Foto gesellt, die Kapitel sind zusätzlich angereichert mit tollen Aufnahmen aus den jeweiligen Ländern. Ein Großteil der Fotos stammt von Oliver Seidel, der gemeinsam mit Nicole Stich den Foodblog www.deliciousdays.com betreibt.

Das ist schön: Rezepte, Infos zur Länderküche, Fotos und Anekdoten machen „Reisehunger: Die besten Rezepte zwischen USA und Singapur“ zu einem kulinarischen Reiseführer. Wer gern kocht und gern reist, der wird viel Spaß haben, durch das Buch zu blättern. Das Design ist modern und schick. Insgesamt macht das Buch optisch einiges her. Was die Rezeptauswahl betrifft: Eine Vielzahl an Rezepten lädt direkt beim ersten Durchblättern zum Nachkochen ein. Auch der Anspruch der meisten Rezepte ist nicht allzu hoch.

Das ist nicht schön: Dadurch, dass die Gerichte möglichst originalgetreu bleiben sollten, enthalten einige der Rezepte viele, teils exotische Zutaten, die nicht einfach im Supermarkt und erst recht nicht im Discounter zu bekommen sind. Das ist in der Alltagsküche nicht praktikabel. Spezielle Gewürze einzelner Länder tauchen naturgemäß auch fast nur in diesem Land auf. Das unterstützt die Problematik. Eine Auflistung wiederkehrender Gewürze pro Land hätte zumindest einen besseren Überblick verschafft, fehlt aber leider. Und noch ein Manko hat „Reisehunger“: Die Buchseiten zumindest meines Exemplares riechen sehr unangenehm, was – so vermute ich – am Material liegt. Das hat sich auch in den circa zweieinhalb Wochen, die es mittlerweile ausgepackt ist, leider nicht verändert. Selbst an der frischen Luft hat es schon eine Weile geändert: kein Unterschied.

Fazit: Wer gern aufwendig und international kocht und zudem Materialästhet ist, der wird an „Reisehunger“ Gefallen finden. Nichts ist das Kochbuch für Liebhaber der schnellen, einfachen Alltagsküche.

„Reisehunger: Die besten Rezepte zwischen USA und Singapur“ von Nicole Stich ist 2015 im Gräfe und Unzer Verlag erschienen. Der Verlag hat es mir für eine Rezension zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.

Als erstes habe ich den All-american cheesecake aus dem USA-Kapitel nachgebacken. Der ist auch fantastisch gelungen und schmeckte hervorragend. Das Rezept gibt es hier.