Ich beneide Menschen, die scheinbar immer positiv durchs Leben gehen und Rückschläge wegstecken, ohne dass es sie aus dem Gleichgewicht bringt. Während mein Leben und meine Gefühlswelt vor allem in den letzten vier Jahren häufig einer Achterbahn glichen, scheinen andere ausgeglichen und gesund zu sein. Während ich noch tagelang über Geschehenes nachgrübel, nehmen sie das Leben offenbar einfach nicht so schwer. Was letztlich hinter der Fassade steckt, weiß ich natürlich nicht. Trotzdem lässt mich der Gedanke nicht los, dass viele Menschen besser ausgerüstet ins Leben gestartet sind als andere.

Wer aber meint, er könne sich nicht ändern und müsse sich eben so nehmen, wie er ist, macht es sich zu einfach. An sich zu arbeiten, sich zu verändern, ist schwierig, aber es ist möglich. Es erfordert Disziplin und Zeit. Und vor allem muss man es wollen. Aber man kann ein glücklicherer, positiverer Mensch werden. Davon bin ich überzeugt.

In den vergangenen zehn Jahren habe ich zehn Erkenntnisse gesammelt, die mir auf meinem Weg helfen (sollen), ein gesünderer Mensch zu werden. Manche habe ich umsetzen können, an anderen arbeite ich noch. Was nicht schlimm ist, denn unsere Entwicklung ist ein nie endender Prozess. Trotzdem ist es gut, sich Ziele zu setzen. Das sind meine. Vielleicht erkennst du dich in ihnen wieder.

1. Hör auf, dich mit anderen zu vergleichen

Während wir andere Menschen meist nicht dafür verurteilen, wenn sie etwas zu dick oder zu dünn, zu groß oder zu klein, zu laut oder zu leise sind, gehen wir mit uns selbst oft hart ins Gericht. Wer aber einmal beginnt, sich mit anderen Menschen zu vergleichen, gerät schnell in eine ungesunde Abwärtsspirale. Denn selten vergleichen wir die Eigenschaften, in denen wir punkten können. In der Regel vergleichen wir hingegen die Eigenschaften, die wir selbst als unsere Schwächen wahrnehmen. Und so dient der Vergleich nicht dazu, uns aufzubauen, sondern dem genauen Gegenteil. Jeder Mensch ist einzigartig, hat Stärken und Schwächen. Und das ist etwas Schönes. Wir müssen lernen, das nicht nur bei anderen zuzulassen, sondern auch bei uns. Vergleiche helfen da wenig.

2. Lerne, Nein zu sagen und deine Gefühle auszudrücken

Menschen, die nicht nein sagen können, haben oft Ängste verinnerlicht. Etwa die Angst davor, nicht gemocht zu werden. Oder die Angst, als kaltherzig oder egoistisch empfunden zu werden. Den Grundstein dafür, Nein sagen zu können, wenn man etwas nicht möchte, legt man bereits in der frühen Kindheit. Doch wer das Nein-sagen nicht gelernt hat, zum Beispiel, weil ihm vorgelebt worden ist, immer brav zu sein und auf Obrigkeiten zu hören, der baut innere Barrieren auf. Die wiederum verhindern oftmals selbst bei unzumutbaren Erwartungen, Bitten oder Anfragen, seine Gefühle und Bedürfnisse durchzusetzen. Und wer sich selbst immer zurückstellt und nur noch für die Bedürfnisse anderer lebt, wird auf Dauer nicht glücklich werden. Nein zu sagen, ist auch eine Frage dessen, ob man sich selbst respektiert.

3. Nimm dir Zeit, um zu genießen

In hektischen Phasen vergessen wir gern, an uns selbst zu denken, und räumen der Arbeit mehr Zeit ein als der Entspannung. Aber auch im Alltag kommen wir selbst – zwischen Job, Familie, Verpflichtungen und Freundeskreis – oft zu kurz. Wer sich Zeit für die Dinge nimmt, die ihm selbst wichtig sind, ist ein ausgeglichener Mensch und baut Stress ab. Konkret kann das ein Buch sein, eine wöchentliche Yoga-Stunde oder ein abendlicher Tee vor dem Schlafen gehen. Me-Time ist nicht nur für introvertierte Menschen der Schlüssel zu innerem Gleichgewicht. Wer gern Menschen um sich hat, kann diese Zeiten natürlich auch mit anderen verbinden, beim Radfahren oder Klettern zum Beispiel. Aber ich bleibe dabei: Sei egoistisch, zumindest hin und wieder, und fordere ein, was dir wichtig ist und was dich zur Ruhe kommen lässt.

Mit Kaffee und Buch im Café

4. Umgib dich mit Menschen, die dir guttun

Mich mit Menschen zu umgeben, die mir nicht guttun, die einmal gute Freunde waren, aber irgendwann eben nicht mehr, habe ich aufgegeben. Meine Zeit ist zu kostbar, um sie mit Menschen zu vergeuden, mit denen ich mich nicht mehr verstehe oder die bei Verabredungen nur gereizt und schlecht gelaunt sind. Menschen verändern sich: ich und andere auch. Ich möchte meine Zeit denjenigen schenken, die das Leben realistisch, optimistisch, visionär und humorvoll betrachten. Denjenigen, die mir etwas geben und denen ich etwas zurückgeben kann. Und mit diesen Menschen möchte ich dann durch gute und schwere Zeiten gehen. Treffe ich mich mit Menschen privat und merke, dass es mir nach Verabredungen mit ihnen schlecht geht, ich genervt oder verletzt bin, mache ich mit ihnen Schluss. Das mag hart klingen, war für mich aber eine der wichtigsten Lektionen der letzten Jahre. 

5. Wenn dich etwas stört, ändere es

Nicht in allen, aber zumindest in vielen Situationen haben wir selbst in der Hand, Dinge, die uns nicht gefallen, zu ändern. Oft lähmt uns die Angst, vor dem, was kommt, uns zum Beispiel einen neuen Job zu suchen oder einem Angebt in eine neue Stadt zu folgen. In vielen Situationen gilt es dann, sich einfach durchzuringen und die unsichere Phase durchzustehen, um am Ende glücklicher zu sein. Dieser Mut steckt in uns, der eine braucht eventuell länger als der andere, um ihn aufzubringen. Wem aber dieser Mut gerade fehlt, wer lieber auf das Altbewährte setzt, auch, wenn es nicht optimal ist, sollte sich auf die Aspekte konzentrieren, die gut laufen. Und weniger die im Kopf jonglieren, die schlecht laufen. Jeder Job, jede Stadt, jede Entscheidung bringt mit der Zeit auch unangenehme Teilaspekte mit sich. Wie wir aber eine Sache wahrnehmen, liegt an uns. Denn wir bestimmen, ob wir uns auf das berufen, was uns gefällt, oder über das aufregen, was falsch läuft.

6. Treibe Sport

Viele Studien belegen, dass Sport die Prävention, die Erhaltung und die Rehabilitierung der Gesundheit fördert. Eventuell noch wichtiger für ein gesundes Leben ist aber, dass ausreichend Bewegung den Charakter, die Ausdauer und die Disziplin stärkt. In ein aktives, bewegtes Leben startet man selten, in dem man von einem Tag auf den anderen beginnt, dreimal in der Woche joggen zu gehen. Bereits im Alltag aktiver zu werden, ist die beste Vorbereitung: Treppe statt Aufzug, mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zum Markt, in der Mittagspause spazieren statt nur herumzusitzen. Und dann nach und nach leichte Sporteinheiten ergänzen. Der Erfolg kommt nicht nur durch ein gesünderes Gewicht, sondern vor allem durch ein besseres Gefühl und stärkeres Selbstbewusstsein.

7. Beschäftige dich mit den Dingen, die du können möchtest

Wir beeinflussen, welches Wissen und welche Fähigkeiten wir in der nahen Zukunft besitzen, indem wir uns mit den Dingen beschäftigen, die uns interessieren und die wir beherrschen möchten. Hören wir auf, Dinge aufzuschieben und uns einzureden, für etwas zu alt zu sein, und beginnen damit, jetzt den Menschen zu formen, der wir später sein möchten. Denn jetzt ist genau die richtige Zeit, um an den Dingen zu arbeiten, die wir in fünf Jahren können möchten.

8. Spreche positiv über dich

Was andere über uns sagen, ist nicht relevant. Viel wichtiger ist, dass wir gut über uns selbst sprechen. Zum einen beeinflussen unsere Worte die Meinung anderer Menschen über uns. Denn wie soll unser Gegenüber gut über uns denken, wenn wir uns selbst in jedem zweiten Satz herabwerten? Zum anderen speichert unser Gehirn diese Sätze, Gedanken und Gefühle ab. Sprich und denke daher gut über dich und formuliere Gedanken bewusst positiv. Diese sogenannte positive Affirmation hilft dabei, Wünsche und Ziele zu erreichen. Sie basiert auf der Annahme, dass unsere Gedanken nicht nur unsere Gefühle und unsere Handlung steuern, sondern auch Körpervorgänge sowie biologische und chemische Prozesse beeinflussen.

9. Lerne jeden Tag

Verstehe, dass Lernen keine anstrengende Pflicht, sondern eine Bereicherung ist. Lerne nicht nur aus Büchern, sondern sei jederzeit bereit, Neues zu sehen und zu begreifen. Lasse es zu, von anderen zu lernen – in beruflichen Vorträgen, aber auch in guten Gesprächen bei einem Glas Wein –, und gestehe (dir) ein, wenn du etwas nicht kannst. Es ist weder eine Schande noch ein Grund zur Scham, etwas noch nicht zu wissen. Anstatt zu blenden und Wissenslücken zu überspielen (das fällt meistens ohnehin auf), sei lieber offen und gehe gestärkt und klüger aus Gesprächen heraus.

10. Verlass dich auf dich selbst

„Wer sich auf andere verlässt, der ist verlassen.“ heißt es. Klischee, ja, aber auch nicht unwahr. Sorge dafür, dass du auch ohne die Hilfe anderer durchs Leben kommst. Lerne, was du wissen musst, anstatt dich auf den Fähigkeiten deines Partners, von Familienmitgliedern oder Freunden auszuruhen. Zum einen, weil du vermutlich gerade dann alleine bist, wenn du etwas einmal brauchst, zum anderen, weil es ein tolles Gefühl ist, zu wissen, dass man nicht abhängig ist. Verlerne auf deinem Weg aber nicht, andere um Hilfe zu bitten, wenn du nicht weiterkommst.