Wer in Utrecht etwas auf sich hält, der wirbt mit einem Fahrrad. In Schaufenstern, vor Lokalen, an den Grachten: Überall stehen sie und weisen auf Läden, Restaurants oder Cafés hin. Einmal ist der Rahmen eingestrickt, ein anderes Mal ist ein ganzes Surfbrett an das Rad montiert. Meistens sehen sie aber einfach nur schick und modern aus und stehen dekorativ vor Türen oder in Fenstern. Es steht außer Frage: Utrecht liebt seine Fahrräder. Das zeigen die großen Fahrradgaragen, die sich überall in der Innenstadt unauffällig in schicken Altbauten verstecken, das beweist aber auch die fast autofreie Innenstadt der knapp 325.000-Einwohner-Gemeinde. Wer hier etwas auf sich hält, der fährt mit dem Rad – vom Lieferverkehr mal abgesehen.

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Die Fahrräder sind es, die das Stadtbild bestimmen. Aber auch die Grachten machen Utrecht, die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, aus. Der Oudegracht, der Hauptkanal, zieht sich einmal quer durch die Altstadt. Und es gibt kaum etwas Schöneres, als sich ein paar Stunden ans Wasser zu setzen und auf die vorbeifahrenden Boote und Kanus zu schauen – höchstens, mit guten Freunden selbst mit einem Boot über den Kanal zu schippern.

Viele Restaurants bieten von ihren Außenbereichen den perfekten Blick auf das Wasser. Wenn das Wetter stimmt, sitzt man dort bis in die Nacht und vergisst die Zeit. Da Utrecht touristisch noch kaum erschlossen ist, was vermutlich an der Nähe zum beliebten Amsterdam liegt, gibt es, so mein Eindruck, kaum die Gefahr, in eine Touristenfalle zu tappen. Jedes Restaurant, das wir besucht haben, konnte sich wirklich sehen lassen. Dennoch lohnt sich ein Spaziergang weg von den Grachten, zum Beispiel in Richtung Neude. Dort findet man schöne Cafés für das Frühstück am Samstag. Und auch die Seitengassen, die von den Grachten in Richtung Utrecht Centraal führen, zum Beispiel die Driehaaringstraat, halten tolle Restaurants bereit.

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Die „große Schwester“ Amsterdam mag in der Gunst der Touristen vorn liegen, im Juli 2015 wird jedoch für ein paar Tage die ganze (Sport-)welt nach Utrecht schauen, wenn die Tour de France dort ihren Anfang findet – mit dem Einzelzeitfahren in der Stadt und der zweiten Etappe, die nach Neeltje Jans führt. Schon jetzt kündigt sich die Großveranstaltung in der ganzen Stadt an. Die Kinderbuchfigur Nijntje, die im Deutschen Miffy heißt, ist der inoffizielle Botschafter der Tour de France 2015 in Utrecht. Im Rahmen der Miffy Art Parade sind in der ganzen Stadt  1,80 Meter große Miffy-Figuren von 60 verschiedenen Künstlern verteilt.

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Wie in jeder größeren Stadt reichen zwei Tage gerade einmal aus, um einen Eindruck von Utrecht zu bekommen, ein Gefühl. Utrecht ist jung, modern, sportlich und stilvoll. Gut gekleidete Menschen bevölkern die Straße, kleine, zu einem großen Teil inhabergeführte Läden, auf holländisch Winkel, laden zum Bummeln ein, darunter viele Möbel- und Designgeschäfte. Mein Tipp: Auf jeden Fall Dille & Kamille in der Oudegracht 190–192 besuchen.

Auch wenn in Utrecht Fahrradfahrer das Sagen haben, lässt sich die Altstadt wunderbar zu Fuß erkunden. Trotzdem mische ich mich bei meinem nächsten Besuch einmal unter die Radfahrer. Utrecht, ich komme wieder!