Kürzlich nahm die Zeit sich in einem, wie ich finde, sehr fragwürdigen Artikel der Widerlegung vermeintlicher Gesundheitsmythen an. Dabei behauptete der Autor unter anderem, dass es medizinisch betrachtet Unsinn sei, dass der menschliche Körper eine bestimmte, also festgelegte Menge an Wasser pro Tag benötige – der Autor spricht von drei Litern, ich denke dabei eher an anderthalb bis zwei Liter. Der Körper melde sich, so der Autor weiter, sobald er Flüssigkeit brauche, mit Durst. Davon unabhängig müsse man nicht regelmäßig trinken. Lediglich bei älteren Menschen sei diese Funktion nicht mehr verlässlich. Ich halte das – mit Verlaub – für Unfug. Dass die Zeit keinerlei Quellen für die Entzauberung ihrer Mythen angibt, ist nicht unbedingt hilfreich, um meine Skepsis wegzuwischen.

Trinke ich nur dann Wasser, wenn ich tatsächlich Durst feststelle, merke ich das vor allem daran, dass meine Konzentration nachlässt und ich morgens unglaubliche Schwierigkeiten habe aufzustehen. Außerdem friere ich mehr als gewöhnlich. Bemühe ich mich hingegen einige Tage intensiv, mindestens anderthalb Liter zu trinken, merke ich das sofort: Ich bin schon morgens wacher und körperlich fitter und im Laufe des Tages aufmerksamer und weniger abgelenkt.

Trinken

Was die Zeit in ihrem buzzfeedesken Artikel schreibt, klingt für mich nach einer Wunschvorstellung. Oh ja, wäre das schön, wenn wir alle immer genau so viel trinken würden, wie wir müssten. Ich frage mich allerdings, wie der Autor die Menschen wegerklären will, die am Abend stolz erzählen, dass sie an diesem Tag einen halben Liter Wasser getrunken haben.

In diesem Blogartikel gehe ich jetzt einfach mal davon aus, dass es diese Menschen gibt. Dass auch ich zu den chronisch zu wenig Trinkenden gehöre, die sich immer und immer wieder dazu zwingen müssen, zu trinken, weil sie ihr Pensum nicht schaffen, wenn sie nur auf ihren Körper hören. Und weil ich davon ausgehe, dass es diese Menschen gibt und dass ich zu ihnen gehöre, gehe ich auch weiterhin (Entschuldigung, liebe Zeit) davon aus, dass Tricks mir helfen, mein Ziel von anderthalb Litern am Tag zu erreichen.

  • Der erste Griff am Morgen geht zur Flasche Wasser neben dem Bett. Das verbessert nicht nur direkt die Flüssigkeitsbilanz ein wenig, sondern hilft mir gleichzeitig beim Wachwerden. Wer wie ich morgens Probleme hat, zügig aufzustehen, ist eventuell dehydriert von der Nacht. Denn bei Menschen, die nachts nicht aufwachen, ist es bis zu neun oder zehn Stunden her, dass sie zuletzt etwas getrunken haben.
  • Simpel, aber effektiv: Glas schlägt Flasche. Der Mensch an sich ist ja faul, da sind wir uns doch bestimmt einig. Ich merke an mir selbst, dass das Aufschrauben einer Flasche eine größere „Überwindung“ ist als der Griff zum Glas, das offen und gefüllt neben mir steht. Ist das Glas leer, fülle ich es umgehend auf. Der Faulheit keine Chance!
  • „Ich kann kein Wasser trinken“ ist für mich der Unsatz des Jahres. Es ist nicht so, dass ich das Problem nicht kenne. Es gibt Momente, in denen kann ich Wasser auch nicht sehen. Dennoch glaube ich, dass viele Menschen sich nie die Mühe gemacht haben, das für sie richtige Wasser zu finden. Ich habe etliche Sorten durchprobiert, ehe ich bei einem geblieben bin. Und für meinen Kasten Wasser fahre ich auch mal ein paar Meter, wenn es sein muss. Alles, was mir hilft, ordentlich zu trinken, ist gut investiert – egal, ob Mühe, Zeit oder Geld.
  • Abwechslung ist noch so ein Stichwort. Wenn Wasser wirklich mal nicht geht, dann darf es auch mal eine Saftschorle sein. Aber mit ganz viel Wasser bitte. Denn ein bisschen Geschmack reicht schon aus, um aus Wasser ein anderes Getränk zu machen. Ich schneide auch gern eine Zitrone auf und werfe zwei oder drei Scheiben davon in eine Karaffe Wasser. Oder probiert es doch mal mit Himbeeren.
  • Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Hunger und Durst sich oft kaum unterscheiden lassen. Deshalb greife auch ich oft viel zu schnell zu Snacks, statt erst mal ein halbes Glas Wasser zu trinken. Offtopic: Ich habe auch schon die Empfehlung gelesen, vor jedem Essen ein großes Glas Wasser zu trinken, um den Magen etwas zu füllen. Das soll dafür sorgen, dass man weniger isst, und dadurch beim Abnehmen helfen.
  • Mein letztes Hilfsmittel ist technischer Natur: eine App. Die nervt mich alle zwei Stunden damit, dass sie mich dran erinnert, dass ich mal wieder etwas trinken könnte. Ja, anstrengend. Aber es hilft. Carbodroid heißt das gute Stück, ist kostenlos und ist mir tatsächlich eine gute Gedankenstütze.

Wie es sich freut, wenn man viel trinkt. Süß! Screenshot: Carbodroid