Nach zehn Tagen unter der spanischen Sonne fiel es mir vergangene Woche alles andere als einfach, wieder deutschen Boden zu betreten. Schon beim Blick aus dem Fenster hätte ich mich am liebsten an meinem Flugzeugsitz festgekettet. Egal, welches Land der Flieger als nächstes angesteuert hätte, schlimmer hätte es wohl kaum sein können.

20 Grad lagen zwischen dem letzten Abend in Valencia und dem folgenden Mittag im nasskalten NRW. 20 Grad! Und wie holt man sich die zurück? Mit Fotos. Davon habe ich im Urlaub nämlich eine ganze Menge gemacht. Und weil Valencia eine wundervolle und sehr sehenswerte Stadt ist, möchte ich die auch mit euch teilen.

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An einem Ort, an dem selbst im Winter die Temperaturen in der Nacht selten unter 7 Grad fallen, ticken die Uhren anders. Ich hatte mir zusätzlich noch einen der beiden heißesten Monate des Jahres für meinen Besuch ausgesucht. Im Juli und August klettert das Quecksilber gut und gern mal auf 36 oder mehr Grad. Viele Valencianer, das verraten unter anderem Zettel und Schilder an Restauranttüren oder Ladenfenstern, fliehen in dieser Zeit in den Urlaub.

Umso schöner sind dafür die Abende in dieser Zeit. Dann kühlt die Luft auf bis zu 25 Grad ab. Perfekt für Tapas in einer der vielen kleinen Restaurants. Selbst mit Wein und einer Flasche Wasser kommt man an so einem Abend zu zweit übrigens relativ günstig weg. Mein Favorit: In der „La Taska Sidrería“ in der Carrer del Conde de Altea, 39, wird zusätzlich zu Vino tinto, Vino blanco und Vino rosado auch Cidre, also Cider, angeboten. Mit dem Apfelschaumwein wird dort ebenfalls gekocht. Und das richtig gut. 
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Wer sich für Ess- und Kochverhalten der Valencianer interessiert, sollte auf jeden Fall eine Stunde für den Mercat Central de Valencia einplanen. Auf diesem Markt, der in einer Halle mitten in der Altstadt untergebracht ist, bieten von Montag bis Samstag fast 400 Händler frische Waren an, jeweils von 8 bis 14.30 Uhr. Der Mercat Central erstreckt sich über 8160 Quadratmeter und wirkt innen wie außen imposant und lebendig.

Nicht nur Tapas mit Cider-Beigabe, auch in Sachen Eis bietet Valencia etwas für Experimentierfreudige. Am Plaza de la Reina scharren sich bei diesem Wetter Einwohner und Touristen vor einer Eisdiele, der Heladeria Llinares. Der Grund: Zusätzlich zu den Klassikern wie Schokolade, Vanille, Nuss und Zitrone gibt es ganz ungewöhnlichen Eissorten, die regelmäßig wechseln. Wählen kann man zum Beispiel zwischen Gazpacho, Mojito oder Kinder Überraschungs-Ei. Probieren konnte ich das Eis leider nicht. Einen Tipp kann ich also nicht aussprechen. Das Kartoffeltortilla-Eis müsst ihr also auf eigene Verantwortung essen.

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Wirklich toll finde ich in Valencia die Ausgehkultur, die ich allerdings schon aus anderen Spanien-Urlauben kannte. Gegessen wird spät, das ist den Temperaturen geschuldet. Die Konsequenz ist, dass viele Restaurants erst um 20 Uhr oder sogar noch später ihre Küchen öffnen. Bis dann wird lediglich ausgeschenkt. Beim Essen selbst wird sich dann richtig Zeit gelassen. Die Tapas werden peu à peu bestellt, und wenn es nicht reicht, bestellt man einfach nach. Ein süßer Nachtisch gehört fast immer zum Essen. Dasselbe gilt für den Kaffee zum Schluss.

Ganz unkompliziert sind die Bewohner Valencias auch beim Bezahlen. Wenn der Kellner die Rechnung bringt, wird der Betrag einfach durch die Anwesenden geteilt, und jeder wirft seinen Anteil in die Mitte.

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In meinem Urlaub habe ich nicht nur meine Liebe zu Tapas wieder aufgefrischt, es ist gar noch eine neue Liebe entfacht: die zur Streetart. Habe ich schöne Motive bis jetzt lediglich erfreut zur Kenntnis genommen, habe ich in Valencia erstmals gemerkt, welchen Spaß es macht, sie zu suchen, zu entdecken und zu fotografieren. Zusätzlich zur wirklichen Streetart haben viele Läden die eher unschönen Rolläden, die tagsüber die Räumlichkeiten schützen, bemalen lassen. Das verleiht der Stadt eine Farbe, die ich in einer spanischen Stadt so zum ersten Mal wahrgenommen habe. 

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Valencia ist eine wundervolle Stadt, die einiges zu bieten hat. Um ein Gefühl für das Leben in der Metropole zu bekommen und den Deutsche-Lebensart-Jetlag hinter sich zu lassen, muss man ihr aber schon einige Tage geben. Positiv aufgefallen ist mir die Fortschrittlichkeit der Stadt in vielerlei Hinsicht. So gibt es kaum Orte, die nicht barrierefrei sind. Und Wickelräume sind nicht nur an Damentoiletten, sondern auch an Herrentoiletten angegliedert. An den neun Tagen, die ich dort war, habe ich den Eindruck gewonnen, in einer Stadt zu sein, die sich nicht nur um Touristen kümmert, sondern auch ihren Bewohnern etwas bieten will. Und das macht Valencia in meinen Augen so sympathisch.

In den kommenden Tagen werde ich außerdem noch über die grüne Lunge der Stadt, den Jardín del Turia, sowie über die Ciudad de las Artes y las Ciencias schreiben.

Außerdem in dieser Reihe erschienen: Jardí del Túria und Stadt in der Stadt.