Ein wichtiger Bestandteil des Erwachsenwerdens ist die Erkenntnis, dass die eigenen Eltern früher gar nicht immer unrecht hatten. Und auch wenn dieser Erkenntnisprozess in den meisten Fällen mit spätestens 20 Jahren abgeschlossen sein dürfte, erwischt man sich auch mit Mitte oder Ende 20 noch dabei, Verhaltensweisen für sich zu entdecken, die als Kind ganz normal waren und die man irgendwo auf dem langen Weg des Erwachsenwerdens oder -seins abgelegt hatte.

Genau wie das Unterhemd mit 16 total uncool ist und mit 22 plötzlich voll praktisch, weil wärmend, ist auch die gute alte Brotdose irgendwann aus meinem Leben verschwunden – und plötzlich wieder da, in Form der Bentobox.

Schon seit dem Sommer öffne ich circa zweiwöchentlich die Internetseite eines Bentobox-Herstellers und wühle mich dort durch die schönen, praktisch aufgeteilten Edelstahlboxen. Aber mehr als 30 Euro für eine Brotdose? Really? Unter „Zu teuer, viel zu teuer“-Genuschel schließe ich die Seite dann zweiwöchentlich frustriert wieder und vergesse das Projekt „Bentobox“ für ein paar Tage. Bis es plötzlich wieder in meinem Kopf rumspinnt.

Anfang des Jahres war der Gedanke plötzlich wieder da. Und da ich nicht rauche, viel Sport mache und – entgegen dessen, was Twitter und Instagram manchmal vielleicht vermuten lassen – wenig Alkohol trinke, war die Bentobox zum Neujahrsvorsatz geradezu wie gemacht. Konkret lautet mein Vorsatz: Mit der Bentobox will ich 2015 eindämmen, dass ich regelmäßig mein Mittagessen in der Stadt kaufe.

Eine Bentobox

 

Was ist denn eine Bentobox?
Der Begriff Bentō kommt aus dem Japanischen. Er bezeichnet liebevoll angerichtete Mittagessen-Boxen, die in unterschiedlich große Fächer aufgeteilt sind und so Platz für nicht nur eine, sondern mehrere Speisen bieten. In Japan enthalten sie oft Onigiri oder Sushi und werden entweder zu Hause zubereitet oder bereits fertig angerichtet in der Stadt verkauft. Wer einen Einblick in die Vielfalt von Bento erhalten möchte, dem empfehle ich, bei Pinterest einmal nach dem Stichwort zu suchen (Achtung, Zeitfresser!).

Und in Deutschland?
Auch in Deutschland gibt es die typische asiatische Bentobox mit Reisbällchen in Form von Tieren und zu Sternen und Herzen gestochenem Gemüse. Sie ist aber – das ist zumindest mein Eindruck – eher selten. Bei Instagram und Pinterest findet man überwiegend die Bentobox vom Typ der Brotdose. Sie enthält leichte Salate, Nudelgerichte oder Kleinigkeiten aus dem Ofen und dazu kleingeschnittenes Obst oder Gemüsesticks. Im Grunde gibt es keine Grenzen für die Befüllung der Bentobox. Was schmeckt und transportabel ist, kann eingepackt werden.

Was spricht denn für Bento?
Für mich hat Bento zwei enorme Vorteile: Es ist einerseits (vergleichsweise) günstig und ich kann andererseits besser steuern, was und wie viel ich im Laufe des Tages esse. Bereite ich am Anfang der Woche einen großen Nudelsalat zu, reicht dieser für mehrere Tage, hat aber nur einen Bruchteil des Geldes gekostet, das ich ausgebe, wenn ich mir drei Tage am Stück ein Brötchen beim Bäcker meines Vertrauens kaufe. Obst und Gemüse kommt in der Regel ohnehin in großen Packungen daher und muss nur am Morgen geschnippelt werden. Und mal ehrlich: Wenn ich es morgens nicht mal schaffe, mir ein leckeres Brötchen für die Box selbst zu belegen und einen Apfel zu schneiden, dann gibt es dafür genau eine Erklärung: Faulheit. Alles andere wäre eine Ausrede.

Und welche Box soll es sein?
Die Auswahl an Boxen ist groß. Entscheiden muss man sich vor dem Kauf grundsätzlich in zwei Punkten: Edelstahl oder Plastik? Auslaufsicher oder nicht? Aus gesundheitlichen Gründen möchte ich gern auf Sicht weg vom Plastik. Aus Kostengründen schiebe ich das aber vorerst noch vor mir her. Auf www.lunchbots.de habe ich meine Traumdosen entdeckt. Dort kann ich in der Sektion Bento-Dosen zwischen verschiedenen Fächer-Aufteilungen wählen, und für den Transport von Suppen oder Eintöpfen gibt es sogar Isolierbehälter. Meine Übergangs-Plastikbox hingegen stammt von Kaufhof, den Markennamen habe ich nicht präsent, und hat mich vor allem mit ihrem Preis von knapp 7 Euro überzeugt.

Worauf achten?
Mein erster Eindruck nach knapp drei Wochen mit meiner Bentobox: Sie ist etwas zu groß, hat zu wenig Fächer und riecht – wenig angenehm – auch nach mehrmaligem Spülen nach (Überraschung!) Plastik. Beim nächsten Kauf würde ich definitiv versuchen, eine Box mit fünf Fächern zu bekommen, damit ich mich morgens nicht zwischen Gemüse und Nüssen entscheiden muss, sondern für beides Platz ist, ohne dass sich Essen ein Fach teilen muss. Denn das tut dem Geschmack keiner der Speisen gut.

Und was kommt rein?
Bei mir wandert momentan meistens ein kleiner Salat mit Couscous oder Nudeln in die Box. Dazu Nüsse, Gemüse und/oder Obst. Manchmal kommt statt des Salates auch das gute, alte Pausenbrot rein. Oatmeal mit Obst hatte ich auch schon dabei. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Bei mir hängt die Auswahl an Speisen vor allem damit zusammen, was es am Abend noch zu essen gibt: Wenn ich nach der Arbeit noch koche, reichen zwei Brote mit Aufstrich; wenn ich hingegen zum Sport gehe, darf es auch ein Nudelsalat zu Mittag sein.

Im Blog will ich euch auch ab jetzt immer mal wieder, aber eher unregelmäßig, einen Blick in meine Box gewähren. Den Couscoussalat, den ihr auf den Fotos seht, könnt ihr schon bald nachkochen. Das Rezept ist ziemlich simpel, aber super lecker. Und bald, ganz bald fängt ja auch schon wieder die Grillsaison an.