Eine Freundin schrieb bei Facebook jüngst, dem nächsten Journalisten, der in einem Selbstversuch eine Woche vegan lebe, haue sie mit einem Fleischklopfer auf den Kopf. Als ich das las, habe ich nur wissend genickt. Man könnte zuletzt meinen, objektives Schreiben über vegane Ernährung sei nur dann möglich, wenn man selbst einige Tage, im besten Fall genau sieben oder genau zehn, auf tierische Produkte verzichtet habe. Ein Interview mit einem Ernährungswissenschaftler etwa scheint diesem Thema einfach nicht gerecht zu werden.

Diese Berichterstattung hat auch bei mir irgendwann zu einer derart großen Übersättigung geführt, dass ich keine Lust hatte, mich näher mit veganer Ernährung zu beschäftigen. Das ist untypisch für mich. In Sachen Essen und Sport bin ich wirklich neugierig. Und so hat es mich letztlich doch gepackt. Eine Ernährungsform, die Menschen in meinem Freundeskreis dabei hilft, abzunehmen, die außerdem für ein besseres Körpergefühl sorgen soll, der will ich mich zumindest einmal nähern.

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Vegane Kochbücher sind aus den Buchläden derzeit nicht wegzudenken. Foto: lindameiers-fotografie.de

Der Verlag GU hat mir für diesen Zweck das Buch „Vegan für Einsteiger – In 4 Wochen zu einem gesunden, nachhaltigen Leben“ von Ruediger Dahlke zur Verfügung gestellt. Der Buchautor will in diesem Ratgeber Menschen die vegane Ernährung nahebringen. Sein Versprechen: „… vegane Ernährung ist keine Hexerei  doch schon dieser relativ kurze Weg in einen neuen, besseren Lebensabschnitt stellt eine beachtliche, überaus wohltuende Kur für Körper, Geist und Seele dar, …“

Vegan für Einsteiger

Vegan für Einsteiger, erschienen im GU Verlag

Das Konzept

Wer sich vier Wochen lang mit Haut und Haar auf eine Ernährung ohne tierische Produkte einlasse, den erwarten eine bessere Gesundheit, mehr Energie, das persönliche Wohlfühlgewicht und ein besseres Gewissen hinsichtlich der Umwelt. Das zumindest ist die These Dahlkes in „Vegan für Einsteiger“. Um die Leser seines Besuches von veganer Ernährung zu überzeugen, bittet der Autor diese, vier Wochen lang nicht nur Fisch und Fleisch, sondern tierische Produkte insgesamt vom Speiseplan zu streichen. Das Buch aus der Reihe „Ratgeber Gesundheit“ ist auf eben diese vier Wochen ausgerichtet, erklärt dem Einsteiger Grundlagen der veganen Ernährung und hält auch ausreichend Rezepte für 28 Tage bereit.

Die Äußerlichkeiten

„Vegan für Einsteiger“ von Ruediger Dahlke, erschienen im Gräfe und Unzer Verlag, hat ein handliches Format und 127 Farbseiten. Es ist, wie von GU-Büchern gewohnt, modern und bunt gestaltet und besticht mit vielen Farbfotos. So ist rund die Hälfte der Rezepte mit einem Bild versehen. Für mich als Optikfetischisten fast zu wenig. Einen Abstrich bekommt die Gestaltung der Innenseiten: Sämtlicher Fließtext ist im Flattersatz. Das stört beim Lesen und passt für mich nicht ins ansonsten ansprechende optische Gesamtkonzept. Noch ein Manko: Die Fotografien der Rezepte sind eher mittelmäßig.

Der Inhalt

55 Seiten, also fast 50 Prozent, enthalten Informationen rund um vegane Ernährung, auf Seite 56 beginnen die mehr als 60 Rezepte. Während sich die ersten Seiten noch sehr offen gegenüber anderen Ernährungsweisen lesen, verteufelt der Buchautor später sogar die vegetarische Lebensweise und den Verzehr von Bioprodukten nahezu („Doch nicht nur Industriefutter schadet uns und der Welt, in der wir leben, nachhaltig. Tierische  tote  Nahrung bringt uns ebenfalls rasch und elend zu Tode …“, „Nicht zuletzt stecken in der Milch noch mehr ungesunde Substanzen. Denn selbst in der Bio-Landwirtschaft werden Milchkühe mit Antibiotika behandelt, …“.) Der Infoteil wirkt an vielen Stellen belehrend („Das ganze Tier-Elend ist ein Auswuchs unseres auf Gier ausgerichteten Systems und als solcher auch von uns zu verantworten.“), und das macht als Leser keinen Spaß. Der Grad zwischen einem Gedankenanstoß und dem Moralaposteln ist schmal. Und in diesem Fall überschritten. Zu allem Überfluss unterstützt es auch nicht die Glaubwürdigkeit des Autos, schrieb er auf Seite 9 doch noch: „Es gibt keinen Grund, dass Sie sich von Anfang an festlegen. Aber es gibt viele gute Gründe, das vegane Leben einmal zu testen. Deshalb eignet sich dieses Programm bestens für eine vegane Probezeit.“ Später ist von dieser Probezeit leider nicht mehr viel zu lesen.

Inhaltlich wertvoll ist hingegen das Kapitel „Umstellen leicht gemacht“, das Vleischsorten wie Tofu, Seitan und Lupine sowie Milch-Alternativen vorstellt und eine Austauschtabelle enthält. In
dieser kann ich nachlesen, durch welche Lebensmittel ich Sahne, Eier oder Käse ersetzen kann. Eine weitere schöne Idee: In einer Einkaufsliste sind alle Zutaten festgehalten, die, will man sich auf das Vier-Wochen-Experiment einlassen, unbedingt im Haus haben muss. Das erleichtert tatsächlich das spätere Einkaufen. Denn wer Buchweizen, Quinoa, Agavendicksaft, Pinienkerne und Agar-Agar schon vorrätig hat, muss nur noch Obst, Gemüse oder Kräuter frisch besorgen und kann sofort mit Kochen loslegen.

Die Rezepte

Die Rezepte in „Vegan für Anfänger“ liefern einen schöne Auswahl für die unterschiedlichen Mahlzeiten. Verschiedene Brotaufstriche sowie Rührei und French Toast gibt es etwa für das Frühstück. Die Hauptmahlzeiten sind in vier Wochen unterteilt. Während für Woche eins noch viele Ersatzprodukte (Steak-Sandwich, Sojaschnetzel in Pilzrahm, Jägerschnitzel mit Balsamico-Pilzen) geplant sind, nehmen diese von Woche zu Woche ab. Wer es gern süß mag, darf sich außerdem über vier Seiten mit Nachtisch-Rezepten freuen. Jedes Rezept ist mit einer Zubereitungszeit angegeben. Kalorienangaben fehlen leider. Schade für denjenigen, der vegan lebt, um abzunehmen.

Fazit

Als Einstieg ist „Vegan für Einsteiger“ nicht ungeeignet. Das Kapitel „Umstellen leicht gemacht“ ermöglicht einen guten Einblick in die vegane Lebensweise. Hätte ich das Buch gekauft, hätte ich den restlichen Infoteil aber wahrscheinlich bereits nach wenigen Seiten übersprungen. Die Rezepte hingegen sind toll. Ich freue mich unter anderem noch auf die Tempeh-Hokkaido-Spieße mit Erdnusssauce, die gefüllten Avocados, das Zucchiniboot, die Tofu-Stäbchen mit Spinat und Bratkartoffeln, den Avocado-Tofu-Toast mit Kirschtomaten und die Grünen Bohnen mit Tomaten und Knoblauch.

Die Rezepte Grießflammeri mit Beeren und Seitangulasch mit Pilzen stammen aus dem Buch „Vegan für Einsteiger“.

„Vegan für Einsteiger  In 4 Wochen zu einem gesunden, nachhaltigen Leben“ von Ruediger Dahlke ist 2014 im Gräfe und Unzer Verlag erschienen. Der Verlag hat es mir für eine Rezension zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.