Der beste Sport ist der, bei dem man gar nicht bemerkt, dass man gerade welchen macht. Und im allerbesten Fall ist man dabei auch noch an der frischen Luft. Von heftigen Aufstiegen mal abgesehen, ist das bei mir das Wandern. Klar geht der Puls hoch, mal mehr, mal weniger, aber nach vier Stunden fragt man sich dennoch, wo die Zeit hin ist. Und erst nach einer eben so langen Zeit werden langsam die Beine müde. Eine optimale Strecke für Tage, an denen nur wenig Zeit ist, liegt direkt vor meiner Haustür: die Ruppertsklamm bei Lahnstein.

Die Felsenschlucht in einem kleinen Seitental der Lahn ist gelegen zwischen Westerwald und Taunus. Weil sie in einem artenreichen Laubwald liegt, ist die Ruppertsklamm seit 1936 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Zusätzlich ist sie Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal. Am besten zu erreichen ist die Klamm über die B 260 mit dem Auto. Direkt am Fuß befindet sich ein kleiner Parkplatz für wenige Autos. Es geht wenige Schritte an der Straße entlang, den betritt man die Felsenschlucht durch ein hölzernes Eingangstor.

Auf die Wanderer wartet nun erst einmal ein wunderschöner, rund einstündiger Aufstieg mitten im dicht bewachsenen Wald. Der Aufstieg ist trotz anhaltender Steigung kaum anstrengend, erfordert aber unbedingt Trittsicherheit, schließlich steigt man hier und da über feuchte Steine oder schmale Brücken. An schwierigen Stellen sind an den steilen Steinwänden Seile zur Sicherung angebracht oder Stufen in die Felsen gebaut worden. Sein alpiner Charme macht den Wanderweg zu einem aufregenden Erlebnis. 235 Höhenmeter sind insgesamt zu bewältigen – auf gerade einmal anderthalb Kilometern.

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Oben angekommen, gibt es eine Schutzhütte mit Kamin, die zwar leider nicht bewirtet ist, vor deren Tür aber Tische und Bänke zum Picknicken einladen. Ein paar Meter weiter wird man mit einem weiten Blick über die Lahn belohnt und muss sich der Frage stellen: weiter wandern oder wieder hinab? Auf diejenigen Wanderer, die etwas mehr Zeit mitbringen, wartet oben eine reiche Auswahl an Wanderwegen: Sie führen zum Allerheiligenberg, zum Lichterkopf oder oberhalb der Lahn bis nach Fachbach. Außerdem führen der rechtsrheinische Rheinsteig sowie der Lahnwanderweg an der Ruppertsklamm vorbei.

Entscheidet man sich für den direkten Rückweg, wartet ein deutlich weniger spektakulärer, aber dennoch schöner Abstieg auf einen. Immer wieder gelangt man an Stellen, an denen der Wald sich öffnet und einen Ausblick über die Lahn offenbart. Hier und da lädt außerdem eine Bank zu einer kurzen Pause ein.

Die Ruppertsklamm ist für Hunde geeignet, nicht aber für Kinderwagen. Der Rundwanderweg dauert, wenn man nicht unterbricht rund zwei Stunden. Da er fast ausschließlich durch Wald führt, ist er optimal für heiße Tage geeignet. Bei trockenem Wetter können auch Kinder mitwandern, bei Regen eher nicht. Dann sind die Steine mitunter sehr rutschig. Auf jeden Fall sollten Kinder, die mitwandern, trittsicher sein.

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Von Koblenz ist die Ruppertsklamm in rund 15 Minuten erreichbar. Wer früh anreist, hat die Klamm fast für sich und einen Parkplatz unmittelbar vor dem Eingang sicher. Von Lahnstein ist man in unter 5 Minuten mit dem Auto da. In beiden Fällen fährt man am Eingang zur Klamm vorbei und wendet etwa 500 Meter weiter an einem alten Fabrikgebäude.

Wer auf ein noch größeres Abenteuer aus ist, dem empfehle ich übrigens gern einen Besuch der Hängeseilbrücke Geierlay im Hunsrück. Ein echter Publikumsmagnet, also früh am Morgen hinfahren.